Künstliche Intelligenz wird Arbeitswelt und Gesellschaft tiefgreifend verändern. Sie kann Produktivität steigern, Beschäftigte entlasten und neue Möglichkeiten schaffen. Gleichzeitig entstehen neue Sicherheitsrisiken und die Frage, wie der Sozialstaat mit möglichen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt umgeht. Das wurde bei der Veranstaltung „KI – Kolleg:in oder Konkurrenz?“ der SPD-Bundestagsfraktion am Mittwoch in der Regensburger Foodmarkthalle City's Garden deutlich.
Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, verwies auf die wachsenden Fähigkeiten moderner KI-Modelle. Systeme wie Claude können Sicherheitslücken in kurzer Zeit aufspüren und damit können solche Fähigkeiten gleichzeitig zur Gefahr für hochsensible Systeme und für Unternehmen werden. Für Schätzl zeigt das, wie wichtig klare Regeln für Künstliche Intelligenz sind. Auch die Haftung müsse geklärt werden. Wenn KI-Systeme Schäden verursachen, müssen die Betreiberfirmen dafür zur Verantwortung gezogen werden. Die Entwicklung der Technologie schreitet so schnell voran, dass die Schließung von Schutzlücken im rechtlichen Rahmen kaum hinterherkommt. Digitalpolitik ist schon längst kein Randthema mehr, sondern steht im Zentrum politischer Debatten rund um Sicherheit und Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand auch die Zukunft der Arbeit. Agentische KI kann bereits Aufgaben eigenständig übernehmen und damit Arbeitszeit für andere Tätigkeiten freimachen. „Es gibt viel Potenzial darin, KI für weitere Produktivitätssteigerungen zu nutzen“, sagte Dr. Carolin Wagner. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung könne KI dabei helfen, mit weniger Arbeitskräften mehr zu leisten. Gleichzeitig müsse die Politik auch für den Fall vorsorgen, dass KI in größerem Umfang Arbeitsplätze ersetzt. Wenn ein größerer Teil der Wertschöpfung künftig durch KI und automatisierte Systeme entsteht, müsse die Gesellschaft daran beteiligt werden. Wagner brachte dafür unter anderem eine mögliche KI-Token-Steuer oder eine Robotiksteuer ins Gespräch.
Auch Kreide und Tafel haben ihren didaktischen Wert
Auch der Einsatz von KI in Schule und Ausbildung wurde intensiv diskutiert. Wagner betonte, dass Kinder frühzeitig Erfahrungen mit neuen Technologien sammeln sollten. „Ich finde es wichtig, dass Kinder in Schulen mit den neuesten Technologien lernen und Erfahrungen damit machen. Wäre das nicht der Fall, läge es allein am Elternhaus, wie fit die Kinder im Umgang mit diesen Werkzeugen sind.“ Gleichzeitig brauche es einen bewussten Umgang mit der Technologie. Nicht für jeden Unterrichtszweck sei KI das richtige Mittel. „Für jedes Fach und jede Lerneinheit müssen KI und Co. jedoch nicht eingesetzt werden. Auch Kreide und Tafel haben ihren didaktischen Wert“, so Wagner.
Die Diskussion in Regensburg hat gezeigt: KI ist weder nur Bedrohung noch reine Zukunftschance. Entscheidend ist, wie Politik und Gesellschaft mit der Technologie umgehen. Innovation müsse möglich sein. Gleichzeitig brauche es Regeln, Verantwortung und einen fairen Anteil der Gesellschaft an den Erträgen des technologischen Fortschritts.